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50 Cent: Die Leute Mögen Sex
Sein zweites Album «The Massacre» ist ein Hit. Mit der Netzeitung sprach US-Rapper 50 Cent daher umso entspannter über obszöne Phantasien, gute Geschäfte und die Kunst des «Dissens».Mit «In da club» stieg 50 Cent vor zwei Jahren ohne Umwege in die oberste HipHop-Liga auf, zehn Millionen Mal wurde das Album verkauft. Trotz des Riesendrucks gibt sich der Mann, der eigentlich Curtis Jackson heißt, sehr selbstsicher. Das zweite Album «The Massacre» werde «alles in den Schatten stellen», glaubt er. «Die Platte haut jeden um, der sich für Rapmusik interessiert», sagte er der Netzeitung im Interview. Und er scheint Recht zu behalten: Die CD stieg hoch in die Charts ein.
Sind Sie sehr aufgeregt vor dem Erscheinen des zweiten Albums «The Massacre»?
50 Cent: Klar bin ich etwas aufgeregt und nervös, wer wäre das nicht. Aber ich bin auch guter Dinge, dass das Teil echt was reißt. Noch mehr als die erste Platte, will ich mal behaupten. Das Album wird alles in den Schatten stellen.
Und mehr als zehn Millionen Stück verkaufen?
50 Cent: Absolut ja. Ich glaube, das ist gar kein Problem. Das Material auf «The Massacre» haut jeden um, der sich für Rapmusik interessiert.
«Candy Shop« ist die erste Single. Der Song ist fast hardcoremäßig sexuell. Sie singen Zeilen wie »Ich bin der magischer Liebesdoktor. Und ich bin bereit, dass du an meinem Lollipop leckst«. Nicht gerade jugendfrei.
50 Cent: Jajajaja. Aber das ist doch nicht vulgär oder schmutzig. Ich bin so sexy wie ich sein kann, ohne obszön oder zu versaut zu werden. Das ist eine Meganummer, und Sex ist ja sowieso eine sehr universelle Sache. Die Leute mögen Sex. Deshalb werden die Leute auch »Candy Shop« geil finden.
Wo ist denn die Grenze zwischen lustvoll und obszön?
50 Cent: Es kommt auf die Worte an, die man benutzt. Schlecht sind explizite Ausdrücke für die männlichen oder weiblichen Geschlechtsteile, so etwas deutet man besser nur an oder umschreibt es. Wie im Kino, quasi. Die Beschreibung sollte außerdem die Phantasie anregen und Lust darauf machen, selber sich sexuell zu betätigen.
Was sagen Sie also zu den Leuten, die HipHop im allgemeinen und Ihre Hits im speziellen sexistisch und frauenfeindlich finden?
50 Cent: Ach, mein Gott. So eine Scheiße. Ich weiß, es regt sich immer irgendwer auf und meint »Oh, er ist zu sexy, zu dreckig.« Ich nehme solche Leute nicht ernst. Menschen, die denken, dass Sex nicht okay ist, haben entweder keine Ahnung oder sind gestört. Oder sie sind sauer, weil sie selbst keinen Sex haben. Allerdings sage ich auch: Man sollte schon verantwortungsbewusst umgehen mit der Sexualität.
Haben Sie denn dieses Verantwortungsgefühl?
50 Cent: Du meinst, ob ich mich als Vorbild sehe für die Kids?
Passen Sie auf, was Sie sagen und wie Sie es sagen, weil auch sehr viele Kids Ihre Musik lieben?
50 Cent: Diese Vorbildfunktion empfinde ich so nicht. Da sind die Eltern gefordert. Die Eltern sollen den Kids vormachen, wie man sein Leben lebt, ihnen beibringen, was in Ordnung ist und was nicht. Musiker, Rapper und öffentlichen Menschen insgesamt wird da oft ein bisschen zuviel Verantwortungsgefühl eingeredet.
Dann gibt es den Song «So Amazing», ein richtiges gefühlvolles Liebeslied.
50 Cent: Sagen wir so: Es ist ein Beziehungssong. Von denen habe ich mehrere auf der Platte. Ein weiterer heißt «I build you up». Ich finde das sehr spannend. Die Musik und die Inhalte auf dem neuen Album sollten anders sein. Ich wollte neue Geschichten erzählen. Harmonische Liebe zwischen zwei Menschen ist eine dieser neuen Geschichten. Aber ob es da nun um meine Freundin und mich geht – das verrate ich nicht. 50 möchte sein privates Liebesleben privat halten. Es müssen nicht alle alles wissen.
Also zeigen Sie Ihre weiche Seite?
50 Cent: Ja, Alter, was denn jetzt. Vor einer Minute hast du gemeint, meine Songs wären obszön. Und jetzt soll ich ein Weichei sein? Also echt. «So amazing» ist doch keine Luschinummer. Du bist doch kein Weichei, nur weil du eine Freundin hast. Das kannst du mir doch nicht erzählen (lacht). Ich rappe über das Leben. Ich lebe halt auch ein Leben. Ich bin ein Mensch.
Schon klar...
50 Cent: Ja, wirklich. Manchmal muss man das extra betonen. Dann kommen die Leute, Kollegen von dir zum Beispiel, und sagen «50, du bist ja so ganz anders. So hätten wir dich nicht erwartet.» Da frage ich mich: Was denken die Leute denn von mir? Dass ich ihnen ihre Birne einschlage, wenn ich sie sehe?
Und warum denkt dann jeder, Sie wären so eine Art gefährliches Tier?
50 Cent: Wahrscheinlich aufgrund meiner Vergangenheit, meiner Jugend. Ich hatte ja nicht immer so ein Leben wie jetzt. Ich bin so aufgewachsen und so erzogen worden, wie es die allermeisten meiner Fans nicht kennen. Das fasziniert sie und macht ihnen ein bisschen Angst.
Ihr Vater ging nach Ihrer Geburt, Ihre Mutter stirbt eines gewaltsamen Todes, als Sie sieben waren. Sie wurden von Ihrer Großmutter aufgezogen, fingen an, mit Drogen zu handeln, landeten im Knast und wurden schließlich Rapper. In der Tat eine recht ungewöhnliche Vita.
50 Cent: Ich musste zwei Menschen gleichzeitig sein. Ich musste aggressiv sein und mich durchsetzen können, um auf der Straße zu überleben. Und ich war gleichzeitig das Baby meiner Oma, wenn ich nach Hause kam.
Gab es einen Trick?
50 Cent: Lächeln. Ich habe eine Menge Menschen für mich eingenommen, indem ich sie einfach anlächelte. So habe ich auch meine Drogengeschäfte gemacht. Sie anlächeln und sie im selben Moment über den Tisch ziehen. Wenn du nett bist, vergessen die Leute häufig, dass du auch die Fähigkeiten hast, nicht nett zu sein.
Besonders viel Wirbel gibt es momentan um «Piggy Bank». Dort dissen Sie Ihre Kollegen, unter anderem Dauerfeind Ja Rule, aber auch Fat Joe, Jadakiss, Kelis und Nas. Warum?
50 Cent: Ich reagiere letzlich nur auf andere. Auf die Beleidigungen und Frechheiten von anderen. Die Leute, die Medien sind unglaublich fasziniert von diesem Track, ich weiß gar nicht, warum euch diese Diss-Geschichten immer so scharf machen.
Rivalitäten machen sich halt immer gut und bringen Aufmerksamkeit. Manche dürften sagen, genau deshalb haben Sie den Song aufgenommen.
50 Cent: Hm, aber das stimmt nicht. Den Fans ist sowas relativ wurscht. «Piggy Bank» verkauft das Album nicht, es wird keine Single. «Candy Shop» verkauft das Album.
Wie sieht die höhere Kunst des Dissens denn genau aus? Worauf muss man achtgeben, um es gut zu machen?
50 Cent: Du sagst «höhere Kunst»? Das hört sich aber nett an. Also: Am wichtigsten ist es, dass du dich an die Fakten hälst. Manche Kollegen rappen einfach irgendeinen feindseligen Scheiß, der ihnen gerade aus der Fresse fällt. So etwas geht überhaupt nicht, das ist unglaubwürdig und bösartig.
Sie haben gerade die Villa von Mike Tyson in Connecticut gekauft. 18 Zimmer, mit allem Drum und Dran. Kennen Sie Tyson persönlich?
50 Cent: Ich habe ihn ein-, zweimal getroffen, ja. Wirklich ein nettes Haus, was er da hat.
Boxen Sie denn auch? Hat er Ihnen was gezeigt?
50 Cent: Nee, das nicht. Aber ich boxe ein bisschen, doch, doch. Vor zwei Tagen war ich im Fitness-Studio und habe ein bisschen Thaiboxen gemacht. Gar nicht übel. Aber ich sollte öfter gehen.
Wie sieht es mit Alkohol aus?
50 Cent: Schlecht. Habe ich mir abgewöhnt. Kiffen ist auch nicht mehr. Ich brauche meine ganze Energie für die Musik. Die Karriere ist mir wichtiger, als ab und zu breit zu sein.
Und Drogenerfahrungen?
50 Cent: Ich kenne mich mit härteren Sachen als mit Gras überhaupt nicht aus.
Aber Sie haben doch jahrelang Stoff verkauft.
50 Cent: Eben deshalb. Wenn du es verkaufst, solltest du es nicht selber nehmen. Sonst machst du dir das eigene Geschäft kaputt. Das ist Regel Nummer Eins beim Dealen: Lass die Finger von der Scheiße.
Aber die meisten halten sich da nicht dran?
50 Cent: Nein. Und deshalb kommen die auch auf keinen grünen Zeug und machen keine Kohle. Das ist doch klar.
Sie sind ein cleverer Geschäftsmann. Ganz egal, in welcher Branche.
50 Cent: Ja. Da möchte ich nicht widersprechen.
Sie haben mal gesagt «Einmal ein Gauner, immer ein Gauner». Gibt es viele Parallelen zwischen Drogendealern und erfolgreichen Rappern?
50 Cent: Aber ja, eine ganze Reihe sogar. Das A und O sind Verlässlichkeit und Beständigkeit. Die Leute, die deine erste Platte gekauft haben, wollen von der zweiten nicht enttäuscht werden, sonst lassen sie die dritte liegen. Wenn du jemanden einmal mit schlechtem Crack beschissen hast, kauft er das nächste Mal bei deinem Konkurrenten. In beiden Fällen verdienst du kein Geld mehr. Der Schlüssel ist in beiden Fällen die Kundenzufriedenheit. Wenn du jemanden high machen kannst mit Musik, dann kommt er jedesmal wieder.
Wie sieht denn eine wilde, ausgelassene 50-Cent-Party aus?
50 Cent: Och, so richtig wilde Parties machen wir selten. Wenn ich Zeit habe, besuche ich meist meinen Freund und HipHop-Kollegen Tony Yayo. Der ist auf Bewährung draußen und hat so eine elektronische Fußfessel um, mit der er nicht aus dem Haus darf. Du siehst: Verbrechen lohnt sich einfach nicht (lacht und geht).
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